Klimawandel und Lebensraum 5


Als letztes Wochenende Zehntausende in Aachen und im Rheinischen Braunkohlerevier gegen Kohleabbau und für eine konsequentere Klimaschutzpolitik demonstrierten, war auch Rezo mit am Start, der vorher seine Follower mit einem Tweet auf Twitter aufforderte, es ihm gleichzutun. Dabei verwendete er unter anderem das Wort ‚Lebensraum‘, was schnell zu heftigen Debatten darüber führte, ob man dieses auch von Nazis verwendete Wort heute noch in diesem Kontext benutzen dürfe.

Ich habe ähnliche Debatten in den letzten Jahren bei meiner Arbeit in Attac öfter miterlebt und sie hinterlassen bei vielen Beteiligten leider regelmäßig einen schalen Nachgeschmack. Da ich glaube, dass es sich dabei um ein systematisches, immer wieder kehrendes Problem handelt, möchte ich die aktuelle Debatte nutzen, der Sache etwas näher auf den Grund zu gehen und einige Muster aufzeigen, die meiner Ansicht nach dazu führen, dass solche Debatten aus Sicht der Beteiligten oft nicht zu dem Ergebnis führen, das sie sich wünschen.

Auslöser des aktuellen Disputs war der folgende Tweet von Rezo:

Es dauerte nicht lange und es entspann sich eine heftige Debatte um das Wort Lebensraum, wie hier stellvertretend an einem Schlagabtausch zu sehen ist, an dem sich unter anderem Fridays for Future Rhein Sieg beteiligte.

Letztendlich prallten immer wieder zwei Meinungen aufeinander: Die einen verteidigten die Verwendung des Begriffs mit der Begründung, bei Lebensraum, so wie Rezo es verwendet habe, handle es sich um einen üblichen Gebrauch des Wortes, wie er in der Biologie immer wieder vorkomme und habe deshalb nichts mit dem Kontext zu tun, wie die Nazis das Wort Lebensraum verwendeten. Andere argumentierten, wie historisch vorbelastet der Begriff sei, wie hier z.B. Steffen Lüdke von Spiegel Online:

Rezo zeigte sich von dieser Argumentation allerdings zunächst wenig überzeugt und twitterte zurück:

Danach stieg Kathrin Quatember in die Debatte ein:

Meines Erachtens werden gerade hier zwei Grundprobleme deutlich, die es bei Debatten dieser Art immer wieder gibt:

Obwohl fast alle, die Rezos Tweet kritisieren, in der Regel sehr deutlich darauf hinweisen, dass ihre Kritik nicht persönlich gemeint ist (‚Du meinst es nicht so‘, ’nicht als Anschuldigung/Unterstellung gemeint‘), kommt es fast immer zu einer Konfrontation als wäre sie das eben doch. Und ein wenig ist sie das natürlich auch, denn die KritikerInnen machen mit ihren Statements zwar sehr deutlich, dass sie dem Kritisierten nicht unterstellen wollen, selbst ein Nazi zu sein, der Vorwurf lautet aber eben doch, Nazi-Sprache zu verwenden. Rezo versucht an dieser Stelle noch relativ reflektiert mit der Situation umzugehen, in dem er Fragen stellt und Argumente verlangt, viele seiner Follower haben aber an dieser Stelle schon voll auf Verteidigung umgestellt und manchmal scheint die auch nach dem Motto zu laufen, Angriff ist die beste Verteidigung.

Ich muss zugeben, dass ich selbst noch kein Patentrezept dafür gefunden habe, wie man verhindern kann, dass derartige Debatten nicht schon an dieser Stelle entgleisen, weil sich zwei Positionen sehr verhärtet gegenüber stehen.

Das Problem ist aber damit noch nicht ganz zu Ende beschrieben. Denn die Auseinandersetzung dreht sich auf beiden Seiten in der Folge sehr stark darum, was Rezo in seinem Tweet gesagt und gemeint hat. Das ist aber meines Erachtens gar nicht so sehr der springende Punkte, denn die Frage müsste eigentlich lauten, was kann, gern ein wenig im Stil von stiller Post gedacht, aus dem werden, was Rezo getwittert hat.

Um das Problem mal ein wenig anschaulicher zu machen, eine Erfahrung, die wir vor vielen Jahren machten, als ich noch im bundesweiten Koordinierungskreis von Attac Deutschland mitarbeitete. Schon damals, lange vor Gründung der AfD, war es uns wichtig, dass wir uns als Attac möglichst stark von Rechts abgrenzen. Unser Rezept, mit dem wir damals dachten, dies erreichen zu können, war, in unseren Statements auch immer Forderungen aufzunehmen, die von Rechten strikt abgelehnt werden, z.B. in dem wir betonten, dass soziale Gerechtigkeit für alle Menschen weltweit gleichermassen gelten solle. Irgendwann stellten wir allerdings fest, dass das wohl so in Zukunft nicht mehr ausreicht.

Was war geschehen? In einem Landesverband hatten die Jungen Nationaldemokraten beschlossen, eine Kampagne gegen Globalisierung zu starten. Einige Mitglieder ihres Landesvorstands waren, ohne dass wir das damals merkten, ganz offiziell Attac beigetreten und hatten dann als Mitglieder Aktions-Material in unserem Webshop bestellt. Das hatten sie dann angefangen zu verteilen, allerdings nicht ohne unserem Material einen eigenen Flyer beizulegen, auf dem sinngemäß stand:

90% von dem, was Attac fordert, unterstützen wir auch, aber beim Kampf gegen Globalisierung ist Attac einfach nicht konsequent genug: Wir schon und deshalb fordern wir: Macht auch die Grenzen dicht!

Als wir davon erfuhren, haben wir diesem Spektakel natürlich schnell ein Ende gesetzt, in dem wir diese Mitglieder, die eigentlich nie welche waren, weil sie nie dem Attac Konsens zugestimmt hatten, sofort wieder vor die Tür gesetzt und für unseren Webshop gesperrt haben.

Damit war uns aber auch klar, wenn wir uns in Zukunft erfolgreich von Rechts abgrenzen wollen, reicht es wohl nicht mehr aus, mit einem Nebensatz oder einem zusätzlichen Spiegelstrich dafür so sorgen, dass ein Papier von Rechten nicht mitgetragen werden kann. In Zukunft musste es noch viel stärker darum gehen, in unseren Papieren und Debatten möglichst wenig Anknüpfungspunkte für rechtes Gedankengut zu liefern.

Vor diesem Hintergrund hätte die Debatte also meiner Ansicht nach viel mehr darüber geführt werden müssen, in wieweit die Verwendung von Wörtern wie Lebensraum von Rechten dazu genutzt werden könnte, daran in ihrem Sinne anknüpfen zu können, um Diskurse zu verschieben und mit ihren eigenen Inhalten neu aufladen zu können. Und dabei würde es dann auch nicht nur darum gehen, was Rezo konkret in seinem Tweet geschrieben oder gemeint hat, sondern was für Begrifflichkeiten für eine Bewegung hilfreich oder weniger hilfreich dabei sind, sich vor Vereinnahmungen, um nicht zu sagen Diskurskaperungen, von Rechts zu schützen.

Spannend sind in diesem Zusammenhang auch die Bemerkungen von Natascha Strobl, bei denen sie zwischen einfachen Wörtern und Begriffen, die einen entsprechenden Kontext haben, unterscheidet:

Ich fürchte allerdings, wenn es um die Frage geht, warum jemand einen Kontext aus der Biologie plötzlich auf Menschen anwendet, dann überfordert auch Natascha Strobl einige, die sich mit dem Thema noch nicht so lange beschäftigen.

Wer heute in großer Sorge um die Lebensgrundlagen des Eisbären ist, weil der Klimawandel die Polkappen schmelzen läßt, der denkt dabei wohl nicht in erster Linie an triebgesteuerte Wesen, die ihren Lebensraum verteidigen, sondern an hilfsbedürftige Wesen, die demnächst aussterben, wenn der Klimawandel nicht gestoppt werden kann.

Die Frage ist allerdings eben nicht so sehr, was einzelne heute dabei denken, sondern ob es auch andere geben kann, die dabei vielleicht auch auf noch ganz andere Gedanken kommen können. Schaut man in die Vergangenheit, dann muss man gar nicht bis in die NS-Zeit zurückgehen, um dafür Beispiele zu finden.

In den 70er und 80er Jahren hatte in der deutschen Umweltbewegung zum Beispiel Herbert Gruhl einigen Einfluss. Er war Gründungsmitglied des BUND und von 1975 bis 1977 sogar dessen Vorsitzender. Anschließend gründete er die Grünen mit, spaltete sich dann aber Anfang der 80er Jahre mit einer eigenen Partei, der ÖDP, ab, deren Vorsitzender er bis 1989 war.

Wikipedia schreibt über ihn:

Gruhl vertrat die Position, dass es ein immerwährendes Wachstum nicht geben könne, und übte entschiedene Kritik an wachstumsfixierter Wirtschaftspolitik und vorherrschenden Wirtschaftstheorien. In Gruhls Verständnis verband sich Ökologie auch mit bevölkerungspolitischen Fragen. Er äußerte sich in diesem Zusammenhang auch kritisch gegenüber einer liberalen Zuwanderungspolitik. Die dringlichsten Probleme der Erde waren für Gruhl der ressourcenintensive Lebensstil der Industrieländer und die „Überbevölkerung“ der Erde, die er mit Begriffen wie „Menschenflut“ oder „Menschenlawinen“ drastisch beschrieb.

Ob in diesem Zusammenhang auch das Wort Lebensraum gebraucht wurde, konnte ich leider nicht herausfinden. Das dazugehörige Denken war aber auf jeden Fall vorhanden. Die ÖDP hat sich Anfang der 90er Jahre von Gruhl getrennt und vertritt seitdem auch viele seiner damaligen problematischen Positionen zu Bevölkerungsfragen nicht mehr. Eine gründliche Aufarbeitung dieser Zeit scheint es in diesem Zusammenhang aber leider nie gegeben zu haben.

Und heute? Da fällt mir der Begriff Lebensraum vor allem im Kontext von Björn Höcke und dem rechten Flügel der AfD ein. Die Morgenpost zitiert ihn Ende 2015 in indirekter Rede:

Während sich der Afrikaner gemäß der „r-Strategie“ als „Ausbreitungstyp“ reproduziere, also auf eine „möglichst hohe Wachstumsrate“ abziele, herrsche in Europa die „K-Strategie“ des „Platzhaltertyps“ vor, der seinen Lebensraum optimal ausnutzen wolle.

Die Debatte darüber, wie sich die AfD zukünftig zu dem von ihr bisher geleugneten Klimawandel positionieren soll, wird seit den Europawahlen parteiintern durchaus geführt. Der Tagesspiegel zitierte Ende Mai aus einem Schreiben der Jungen Alternative Berlin an den Bundesvorstand, in dem es unter anderem geheißen haben soll:

Die JA fordert Mandats- und Funktionsträger auf, „von der schwer nachvollziehbaren Aussage Abstand zu nehmen, der Mensch würde das Klima nicht beeinflussen. Dass genau das der Fall ist, bezeichnet die JA als „unstrittig“ und fordert „konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Klima- und Umweltschutzes“. Einen Vorschlag lieferte die JA gleich mit: In Schwellenländern solle die Entwicklungshilfe an die Einführung der „Ein-Kind-Politik“ gekoppelt werden, um „dem größten Klimaproblem, der Überbevölkerung“ Herr zu werden.

Zwar gab es wegen dieses Vorstoßes danach noch richtig Ärger im Berliner Landesverband und das Wort Lebensraum wird, zumindest im Zitat, auch nicht erwähnt, trotzdem liegt der Vorschlag voll auf Linie mit dem oben von Björn Höcke wiedergegebenen Zitat. Das Lebensraum-Konzept steckt also auch hier voll mit drin.

Rezo hat übrigens in der Zwischenzeit verkündet, dass er den Begriff Lebensraum in Zukunft nicht mehr verwenden wolle. Seine Begründung klingt allerdings eher so, als hätte ihn die Kritik an seinem Tweet noch nicht ganz überzeugt.

Unabhängig davon, wie man selbst zur Verwendung von Begriffen wie Lebensraum steht, können Debatten wie diese einen wichtigen Beitrag dazu leisten, mehr Menschen dafür zu sensibilisieren, wo Gefahr durch Vereinnahmungsversuche von Rechts droht und wie dieser am besten zu begegnen ist. Fridays for Future hat da bisher erstaunlich viel richtig gemacht. Die Weitergabe von Wissen, was es dazu in der Vergangenheit bereits für Auseinandersetzungen und Erfahrungen in der Umweltbewegung gab, kann ein wichtiger Beitrag dazu sein, dass das auch so bleibt.

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5 Gedanken zu “Klimawandel und Lebensraum

  • Horst

    Ich hätte es genauso gehandhabt wie Rezo: Den Begriff nicht (mehr) verwendet, aber nicht deswegen, weil man sich damit anschlussfähig zu Rechten macht (der bekannte Kontext des „Lebensraum im Osten erobern“ ist ein ganz anderer wie der Kontext hier, der zu verstehen ist im Sinne von „Lebensgrundlagen erhalten“) sondern um solche Diskussionen mit Antirechten zu vermeiden, denn ich denke, dass es gegenwärtig wichtigere Debatten gibt als diese …

    • Stephan Lindner Autor des Beitrags

      Danke für Deinen Kommentar.
      Dass es natürlich wichtigere Debatten gibt, da gebe ich Dir vollkommen recht.
      Ich glaube aber trotzdem, dass Du mit der Unterscheidung von ‚Lebensraum im Osten erobern‘, also aggressiv nach außen als problematisch und ‚Lebensraum sichern‘ im Sinne von ‚Lebensgrundlagen erhalten‘, also defensiv nach innen, Unrecht hast. Mit meinen Beispielen von Gruhl in den 80er Jahren und Höcke und AfD Jugend aktuell wollte ich eigentlich klar machen, dass hier das Konzept von Lebensraum auch in einem sehr problematischen Kontext verwendet wird, obwohl es nicht darum geht, seinen Lebensraum zu erweitern.
      Und auch wenn es wichtigeres gibt: Ich hoffe trotzdem, dass die Beschäftigung mir dem Thema wie eine Art Impfung wirken kann. Dann wäre schon viel dabei gewonnen, eher progressiv denkende Menschen davor zu bewahren, in rechtes Denken abzudriften. Und das scheint ja aktuell leider viel zu häufig zu passieren.

  • Detlev Matthias Daniel

    Gut, das ist der Versuch, die Dinge einigermaßen sachliche und komplex zu betrachten. Ich hoffe, ich kann dazu einen Beitrag leisten.

    Zunächst erscheint es mir zu eng, den Begriff ‚Lebensraum‘ als einen vom Ursprung her biologischen zu betrachten, auch wenn er dort zweifellos Verwendung findet und in dem Zusammenhang klar definiert ist. Sprache ist ein Common. Niemand hat darauf ein Patent, einen ausschließlichen Verfügungs- oder Herrschaftsanspruch. Jeder, der mit den Regeln der deutschen Sprache vertraut ist, kann Wörter wie ‚Lebensraum‘ bilden und darauf vertrauen, daß, wer die Begriffe ‚Leben‘ und ‚Raum‘ kennt, mit dem so gebildeten Begriff etwas anfangen kann. Wenn im Kontext der Begriffsverwendung Mißverständnisse oder Unklarheiten verbleiben, bietet die Sprache Möglichkeiten, diese aufzuklären. Wer sich nicht um Verständlichkeit und Verständnis bemühen will, ist auf dem Gebiet der Kommunikation einfach nur ein Ärgernis. Insofern ist diese Diskussion, soweit sie sich nicht damit begnügen will, mitzuteilen, wie du, er, sie, ich die Begriffe zunächst einmal verstehen, eigentlich obsolet.

    Wenn man aber schon darauf hinweist, den Begriff ‚Lebensraum‘ (zur Erklärung: ich mag den Begriff ‚Begriff‘ nicht in dem Sinn verwenden, wie Natascha Strobl das tut. Für mich ist ‚Begriff‘ einfach die Abstraktion einer Erfahrung, Bauteil eines Weltverständnisses, was es erlaubt, Dinge zusammenfassend zu benennen und zu vergleichen – im Gegensatz zu ‚Namen‘, die sich immer auf etwas Konkretes, Einzigartiges beziehen.) – also den Begriff ‚Lebensraum‘ im Sinn der Biologie verwenden zu wollen, dann erscheint mir der Begriff auf den Menschen angewendet etwas deplaziert. Denn der Mensch unterscheidet sich von den anderen Tieren, die wir kennen, gerade dadurch, daß er kaum einen besonderen Lebensraum benötigt, in dem er infolge seiner biologischen Anpassung existieren kann. Er schafft und erobert sich seinen Lebensraum durch technische Hilfs- und Anpassungsmaßnahmen wie Kleidung, Gebäude, Infrastruktur, Wirtschaftsstrukturen etc. Ich nehme allerdings an, daß Rezo eigentlich eher ‚Lebensgrundlagen‘ gemeint hatte oder auch den erheblichen technischen Aufwand im Blick hatte, der nötig wird, will der Mensch ihm eigentlich widrige Bereiche besiedeln (Wüsten, Meere, Mars…). Übrigens unterscheidet meines Wissens die Biologie zwischen den Begriffen ‚Lebensraum‘ und ‚Revier‘. Manches, was hier dem Lebensraum zugeschrieben wird, gehört eigentlich zu dem anderen Begriff.

    Worum aber geht es eigentlich in dieser Diskussion? Aus welchem Grund sollte man bestimmte Begriffe nicht verwenden? Nun, sie könnten verletzend oder beleidigend sein, aber darum geht es hier auch nicht. Hir geht es darum, daß man befürchtet, die Begriffe könnten Menschen manipulieren und auf gesellschaftliche Abwege bringen – nein, nicht dich und mich sondern irgendwelche Dritten, die nicht diese Kritikfähigkeit entwickelt haben und am Ende irgendwelchen Rattenfängern hinterherlaufen. Aber die bittere Wahrheit ist: Mit diesem Menschenbild, dieser Vorstellung im Kopf ist Demokratie nicht möglich. Demokratie, soll sie nicht zu einer Diktatur der Meinungen und Ideologien verkommen, kann nur funktionieren, wenn sie quasi axiomatisch davon ausgeht, daß die relevante Mehrheit ihrer Mitglieder mündige und urteilsfähige Menschen sind – selbst dann, wenn die Wirklichkeit etwas anders aussieht. So wie Jugendliche niemals mündig werden können, wenn man ihnen diesbezüglich keinen Kredit einräumt, so gilt das auch für die Bürger einer Demokratie. Aufmerksamkeit und Problembewußtsein sind gut, aber Angst und Bevormundung sind Gift für eine Demokratie.

    • Stephan Lindner Autor des Beitrags

      Hi Detlev!
      Danke für Deinen Kommentar!
      Ich glaube aber, das, was Du beschreibst, ist leider eine Utopie, die mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun hat. Es gibt einen milliardenschweren Markt in der Kommunikationsbranche, der sich genau mit solchen Fragestellungen beschäftigt und ich fürchte, die sind ihr Geld wert.
      Aber sehe es mal anders rum: Indem ich auf genau diese Sachen aufmerksam mache, versuche ich eigentlich ein Stück weit dazu beitragen, dass wir genau zu dem Zustand kommen, den Du am Anfang beschreibst.
      Bis dahin ist es allerdings, so fürchte ich, noch ein weiter Weg weg und das Aufklären über solche Mechanismen kein Gift, sondern Heilmittel für die Demokratie.

      • Detlev Matthias Daniel

        Hallo Stephan,
        weitgehend einverstanden. Solche Diskussionen können zu Aufmerksamkeit, Problembewußtsein und Kritikfähigkeit beitragen – der Abwehrkraft der Machtlosen gegen die organisierte und oft milliardenschwere Meinungsmacht. Wenn ich aber sage, du sollst diesen Begriff nicht verwenden, auch wenn ich es begründe, ist das nicht primär Aufklärung, sondern Bevormundung – nicht deiner sondern jener Dritter, die ich vor dem Begriff schützen will. Immunisierung erreicht man nur durch Kontakt, nicht durch Quarantäne. Letzteres Konzept führt nicht zu einer aufgeklärten, freien, demokratischen Gesellschaft, die tatsächlich noch immer eine Utopie ist.